Yoga als Methode in der Musikermedizin

Exzessives Üben sowie zahlreiche Proben und Konzerte bestimmen den Musikeralltag. Ohne ausreichende Regenerationspausen und Ausgleich zu den instrumentenspezifischen Körperhaltungen kommt es bei Profimusikern zu Überlastungen des Bewegungsapparats und somit zu körperlichen Beschwerden. Viele Instrumentalisten leiden unter gesundheitlichen Störungen, wie etwa Verspannungen der Schulter und Nackenmuskulatur oder Rückenschmerzen. Aber auch durch den enormen Leistungsdruck sind viele Musiker großem Stress ausgesetzt.

Als Oboistin weiß ich, dass punktgenaue Spitzenleistung beim Musizieren nicht von persönlichen Umständen oder Umgebungsbedingungen abhängen darf. Dafür werden bei Musikern vergleichbar mit Spitzensportlern mentale Stärke, gesundheitliches Wohlbefinden und ein optimal funktionierender Bewegungsapparat vorausgesetzt. Hier beginnt die Musikermedizin und ihre Methoden der Körper- und Mentalarbeit eine wichtige Rolle zu spielen. Yoga wird immer mehr als Methode der Prävention und Gesundheitsförderung eingesetzt und anerkannt. Yoga verbindet Köperarbeit und mentales Training. Die Einheit von Körper und Geist, die Konzentration auf das Hier und Jetzt, die Atmung, die Körperbeherrschung. Yoga wird ohne Druck geübt, entschleunigt und führt zu mehr Achtsamkeit.

Während meines Musikstudiums habe ich damit angefangen, mich auch vor dem Oboe-Üben körperlich aufzuwärmen, indem ich Yoga praktiziert habe. Nach einigen Minuten „warm up“ fühle ich mich sogleich wacher und motiviert zum Üben. Locker und gedehnt habe ich noch heute den Eindruck, meine Töne schwingen besser durch. Besonders beim Blasinstrument schwingt nicht nur das Instrument, sondern der ganze Körper. Außerdem gelingt es mir durch Atem- und Körperübungen und durch die Entspannungstechniken des Yoga mich mental auf Prüfungssituationen und Konzerte vorzubereiten. Diese positiven Erfahrungen des Yoga gebe ich gerne an meine Kollegen und Musikstudenten weiter.

Das Musikstudium und der Musikerberuf sind sowohl physisch als auch psychisch stark fordernd. Die Erlernung bestimmter Entspannungstechniken und der körperliche Ausgleich zum Instrumentalspiel oder Gesang sind aus gesundheitlicher Sicht geradezu essentiell.

Die Wirkung von Yoga auf Musiker

Yoga steigert die körperliche und seelische Ausgeglichenheit von Instrumentalisten und Sängern. Mit dem Yoga für Musiker strebe ich an, instrumentenspezifische Zwangshaltungen auszugleichen, Verspannungen und Schmerzen zu reduzieren, Vitalität und Flexibilität zu erhöhen, Kraft aufzubauen, das eigene Körpergefühl zu verbessern und Konzentration und Leistungsfähigkeit zu steigern. Neben den allgemeinen Hatha Yoga Übungen integriere ich in meinen Yogastunden spezielle Körperübungen und Meditationstechniken, z. B. die Entspannung der Kiefermuskulatur zur Erweiterung der Resonanzräume oder die Mudra-Meditation für Auftrittsstärke und Selbstbewusstsein. 

Seit Anfang 2016 unterrichte ich Yoga an der Hochschule für Musik Würzburg. Die Studierenden berichten von positiven Veränderungen auf ihre Körperwahrnehmung und ihr inneres Bewusstsein:

„Nicht nur gesundheitlich, sondern auch musikalisch kann Yoga uns Musikern weiterhelfen. Ein Fallbeispiel: Eine Studierende steht kurz vor ihrer Zwischenprüfung im Fach Holzblasinstrumente unter großer Anspannung. Die voraussichtliche Folge ist eine nicht genügend fokussierte und flache Atmung. Diese würde unweigerlich dazu führen, musikalische Phrasen nicht so ausspielen zu können, wie die Musik das erfordert. Eine aus dem Yoga erlernte Atemtechnik half ihr dabei, sich in Ruhe auf den fließenden Atem zu konzentrieren und somit viel freier musizieren zu können. Diese Fähigkeit ist in diesem Moment für die Musik ebenso wichtig wie die täglich erlernten Technikübungen auf dem Instrument. Die Ruhe durch Körperentspannungstechniken ermöglicht erst freien Gebrauch der instrumentenspezifischen Motorik.“